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Zusammensetzung des Aufsichtsrates: Wieso Diversität in Bezug auf das Alter wichtig ist

Diversity bedeutet übersetzt Vielfalt. Die Vielfalt spielt für die Zusammensetzung des Aufsichtsrates eine zunehmend wichtige Rolle. Neben unterschiedlichen Fachkompetenzen wie beispielsweise Rechnungslegung, Branchenkenntnisse als auch internationale Führungserfahrung sowie Fremdsprachenkenntnisse sollte der Aufsichtsrat auch in Bezug auf das Alter vielfältig sein.

Es gibt weder ein gesetzliches Mindest- noch ein Höchstalter für die Übernahme eines Aufsichtsratsmandates. Unternehmen können jedoch selbst ein Höchstalter für die Wiederwahl eines Aufsichtsrates festlegen und somit ein automatisches Ausscheiden bei dieser Altersgrenze zu erreichen.

Bei einer zu jungen Aufsichtsrätin stellt sich die jedoch die Frage, ob sie ausreichend Kompetenzen für die Übernahme eines Mandates hat. Sofern ein Aufsichtsrat ein sehr hohes Alter hat, stellt sich hingegen die Frage, ob er noch hinreichend über die wichtigen Themen informiert ist, um sein Mandat gewissenhaft ausführen zu können. Generell sollte der Aufsichtsrat bei der Suche nach neuen Kandidaten nicht nur auf die erforderlichen Fachkompetenzen, sondern auch auf das Alter achten. Bei der Mischung von Aufsichtsräten unterschiedlichen Alters kann der Gefahr entgegengetreten werden, dass nur eine Generation im Aufsichtsrat vertreten wird.

Ein Aufsichtsrat höheren Alters kann bei den Diskussionen in den Aufsichtsratssitzungen seine jahrzehntelangen Erfahrungen weitergeben. Es ist jedoch auch wichtig, den „Nachwuchs“ im Aufsichtsrat zu qualifizieren. Sofern beispielsweise der Aufsichtsratsvorsitzende plant, den Vorsitz bei der nächsten Wahl abzugeben, muss dies zeitnah vorbereitet werden.

Bei einem hohen Alter eines Aufsichtsratsmitgliedes steigt auch die Gefahr, dass das Mitglied aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht mehr gewissenhaft ausüben kann. Sofern das Unternehmen sich nicht rechtzeitig um den Aufbau von Nachwuchs für Mandate bemüht, gibt es einige Gefahren. So kann es dazu kommen, dass plötzlich mehrere Aufsichtsräte aus gesundheitlichen Gründen sich nicht zur Wiederwahl stellen und bei der Hauptversammlung mehrere junge Aufsichtsräte bestellt werden. Hier besteht jedoch die Problematik, dass das Gremium als Ganzes dann viele neue Mitglieder hat und bei der Arbeit oftmals Fragen auftauchen, die kaum jemand beantworten kann. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Kompetenzen des Aufsichtsrates nicht verloren geht, sondern immer weitergetragen wird. Dies ist vor allem für Besonderheiten des Unternehmens oder aber getroffene Entscheidungen vergangener Sitzungen wichtig. So ist es sehr hilfreich, wenn ein langjähriger Aufsichtsrat des Unternehmens die Gründe für eine Entscheidung der Vergangenheit erläutern kann und so das Gremium eine auf dieser Entscheidung basierende Tatsache nun besser beurteilen kann.

Ein jüngeres Mitglied des Aufsichtsrates hat zwar noch keine jahrzehntelangen Erfahrungen. Allerdings ist er möglicherweise näher an der Zielgruppe der Produkte des Unternehmens und hat so einen anderen Blickwinkel als die älteren Kollegen.

Insbesondere die Digitalisierungskompetenzen jüngerer Mitglieder kommen dem gesamten Aufsichtsrat zugute. Durch die Digitalisierung sind viele Geschäftskonzepte, die jahrzehntelang funktioniert haben, ins Wanken geraten. Unternehmen sind hier gezwungen, sich an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Insbesondere bei Sitzungen, in denen die zukünftige Strategie bzw. das künftige Geschäftsfeld des Unternehmens diskutiert wird, sollte das Thema Digitalisierung berücksichtigt werden. Diese sind für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens von enormer Bedeutung. Ohne Innovationen droht im schlimmsten Falle irgendwann die Gefahr einer Insolvenz oder der Einbruch eines Geschäftsfeldes des Unternehmens.

Auch bei der Durchführung der Aufsichtsratssitzung sowie der Kommunikation zwischen den Aufsichtsratsmitgliedern und dem Vorstand sind Kompetenzen der Digitalisierung immer mehr gefragt. In den Aufsichtsratssitzungen fallen jüngere Aufsichtsräte oft damit auf, dass sie die Sitzungsunterlagen nicht in Papierform dabeihaben. Das Thema des papierlosen Büros hat sich gerade bei jüngeren Aufsichtsräten nahezu durchgesetzt.

Zudem sind jüngere Aufsichtsräte oftmals sehr offen gegenüber neuer Software wie beispielsweise einer Board Meeting Software. Hier kann also der gesamte Aufsichtsrat profitieren: So können jüngere Aufsichtsräte ihre älteren Kollegen von den Neuerungen überzeugen und diesen behilflich sein. Hier gilt: Der ältere Aufsichtsrat kann dem jüngeren Aufsichtsrat von seinen jahrzehntelangen Erfahrungen einiges mit auf den Weg geben, der jüngere Aufsichtsrat kann dem älteren bei der Technik weiterhelfen.

Auch wenn in Bezug die Digitalisierung jüngere Aufsichtsratsmitglieder oftmals genauere Kenntnisse haben, sollte der Aufsichtsrat eines Unternehmens nicht nur jüngere Aufsichtsräte haben. Denn ansonsten besteht beispielsweise die Gefahr, dass in den Sitzungen formale Fehler gemacht werden, da die notwenige Erfahrung mit einem bestimmten Fall fehlt und der Vorstand dies möglicherweise ebenso übersieht.

Es ist vielmehr wichtig, dass der Aufsichtsrat aus Personen unterschiedlichen Alters besteht. So kann jeder vom Wissen oder der Erfahrung des anderen profitieren. Es mag für einen erfahrenen Aufsichtsrat möglicherweise ungewohnt erscheinen, von einem erheblich jüngeren Menschen beispielsweise etwas über neue Softwareanwendungen zu erfahren. Jedoch hat dies den Vorteil, dass dadurch ein alters- und teilweise sogar generationenübergreifendes Weitergeben von Wissen möglich ist. Im Gegensatz zu den älteren Aufsichtsräten sind die jüngeren in der Regel bereits mit Computer und Handy aufgewachsen.

Insbesondere wenn die Zielgruppe des Unternehmens der Generation Y angehört, ist es wichtig, im Aufsichtsrat ein Mitglied zu haben, dass von dieser Generation nicht allzu weit entfernt ist. Die Generation Y wurde zwischen 1980 und 2000 geboren. Sie sind für viele Unternehmen nicht nur Kunden, sondern auch (zukünftige) Arbeitskräfte. Diese Generation ist in der Regel sehr technikaffin. Dies gilt ebenso für Generationen, die nach der Generation Y geboren wurden.

Da das Thema Fachkräftemangel zunehmend Unternehmen vor Herausforderungen stellt, kann ein Vertreter der Generation Y im Aufsichtsrat von den Wünschen und Erwartungen seiner Generation an Unternehmen berichten. Denn für diese Generation reichen nicht mehr allein finanzielle Anreize wie ein Dienstwagen oder ein Diensthandy aus, um sie für sich zu begeistern. Heute spielen die Themen Betriebskindergarten, Führungsposition in Teilzeit sowie Sabbatical bei den Entscheidungen für einen Arbeitgeber eine Rolle. Auch dem Thema Home-Office stehen jüngere Arbeitnehmer in der Regel offener gegenüber. Um für derartige Veränderungen in der Unternehmenskultur und im Arbeitsalltag Verständnis für die Mitarbeiter zu haben, Bedarf es junger Aufsichtsräte, die dies ähnlichsehen.

Sofern bei der Besetzung des Aufsichtsrates das Thema Diversität thematisiert und beachtet wird, sinkt das Risiko, wichtige Themenfelder zu übersehen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nicht hinreichend im Blick zu haben. Bei einer bunten Mischung des Aufsichtsrates in Bezug auf das Alter, die Kompetenz sowie die Erfahrungen und ggf. Sprachkenntnissen kann dies auch für Investoren ein gutes Zeichen sein. Insbesondere beim Thema Diversität des Alters spielt der rechtzeitige Aufbau von Nachwuchs und damit eine Art der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle.

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