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Welche Digitalkompetenzen braucht der moderne Manager?

Wenn sich Geschäftsmodelle und ganze Branchen aufgrund der Digitalisierung wandeln, verändern sich auch die Anforderungen an Mitarbeiter und Entscheider von Unternehmen. Für die meisten Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und Gesellschafter stellt sich deshalb aktuell die Frage, welche Kompetenzen sie aufbauen sollten, um jetzt die Weichen richtig zu stellen und für die Zukunft gerüstet zu sein. Aus Digitalprojekten für Großunternehmen und dem Aufbau eines LegalTech-Startups berichtet der Autor über Erfahrungswerte.

Müssen Manager jetzt Programmierer werden oder sich zum Data Scientist fortbilden? Sollten sie zwingend wissen, wie ein Smart Contract erstellt oder ein Chatbot programmiert wird? Meine Antwort lautet: nein – weil es nur zu punktuellem Know-how führt und dadurch den Blick verengt. Zugleich kommt es immer auf den Einzelfall an, d.h. auf die jeweilige Branche, die Situation und Ziele des Unternehmens, um festzustellen, was konkret das Management an Digitalkompetenzen benötigt. Manager sollten vielmehr ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen, als Generalist mit Spezialwissen in ihrem Geschäft zu erkennen, welche digitalen Lösungen das Unternehmen voranbringen können – und dann mit Experten über Details sprechen, um informierte Entscheidungen treffen zu können.

Auf der strategischen Ebene entscheidet die digitale Transferleistung

Ausgangspunkt aller Gedanken über Digitalkompetenz sollte sein, dass Top-Entscheider schon seit jeher sowohl strategische Entscheidungen zu treffen als auch über taktische Maßnahmen zu befinden haben. Details zu kennen, ohne sich in ihnen zu verlieren, ist und bleibt eine Kernkompetenz. In Zeiten des digitalen Wandels wird es zudem immer wichtiger, einen möglichst breiten Überblick über aktuell im Markt verfügbare digitale Lösungen zu gewinnen und dieses Wissen auf das eigene Geschäftsmodell zu übertragen und dieses weiter zu entwickeln. Entscheidend ist auf der strategischen Ebene mithin die Transferleistung: zu erkennen, welche Ansatzpunkte digitale Lösungen bieten, um eigene Produkte/Dienstleistungen und Prozessabläufe besser und effizienter zu machen oder Innovationen hervorzubringen.

Kriterien definieren und Überblick verschaffen

Wie wichtig es ist, für strategische Entscheidungen einen guten Überblick zu gewinnen und sich erst bei passenden Lösungen mit den Details zu befassen, zeigt beispielhaft Office 365 von Microsoft. Wer sich dort einmal mit Anwendungen wie Power BI, Yammer oder Sharepoint befasst hat, wird sicherlich wahrgenommen haben, dass es hunderte von Plugins gibt, mit denen sich Standard-Lösungen individuell konfigurieren lassen. Die Herausforderung besteht darin, aus dem reichhaltigen Angebot dasjenige Produkt zu identifizieren und ggf. mit solchen zu kombinieren, das bzw. die den Anforderungen des eigenen Geschäfts besonders nahe kommen. Wer sich dabei schon im ersten Schritt mit Details befasst, wird sich in ihnen verlieren. Vorteilhaft ist es hingegen, zunächst einmal das eigene Geschäft auf Möglichkeiten zur Verbesserung und Effizienzsteigerung abzuklopfen und auf dieser Basis zu definieren, wonach man sucht. Anhand von Kriterien kann daraufhin gezielt nach passenden Lösungen gesucht und nach Demonstration der Funktionalitäten entschieden werden, an welchen Stellen sich eine Vertiefung mit Microsoft-Experten lohnt.

 

Netzwerke und Wissenstransfer fördern

Dieses Prinzip lässt sich ohne weiteres auf viele weitere Bereiche übertragen: ob es beispielsweise für eine neue eCommerce-Plattform sinnvoll ist, auf Magento, Shopware oder epages zu setzen oder ob z.B. für Dokumenten-Automation auf Cetonis, Lawlift oder Hotdocs zugegriffen wird, hängt immer insbesondere von den Erfordernissen im Einzelfall (etwa Schnittstellen zu bestehenden CRM-Systemen oder der Frage nach Cloud vs. Server) und von den Funktionalitäten der Software ab. Der Blick schweift also stets zwischen dem eigenen Geschäftsmodell und den Möglichkeiten der verfügbaren Lösungen. Weil keiner allein alles wissen kann und die Veränderungsdynamik hoch ist, braucht es dafür Netzwerke und Wissenstransfer. Geschäftsführer und Vorstände sind gut beraten, gezielt den Kontakt mit Externen mit gutem Marktüberblick zu suchen, um sich über neueste digitale Lösungen auf dem Laufenden zu halten. Und dies nicht im Sinne einer Einbahnstraße, sondern als offener, wiederkehrender Gedanken- und Erfahrungsaustausch zum Nutzen für alle Beteiligten. Da ständig neue Lösungen entstehen, ist zudem – auch wenn es Zeit kostet und im Kalender oft schwer unterzubringen ist – der Besuch von Veranstaltungen wie beispielsweise Messen empfehlenswert, wenn sich dort möglichst viele Anwendungen im praktischen Einsatz erleben und Rückfragen direkt klären lassen.

Durch eigenes Ausprobieren die richtigen Fragen stellen können

Sind gemeinsam mit Experten die strategisch passenden Lösungen identifiziert worden, geht es an die Evaluation. Aus eigener Erfahrung ist Managern hierbei zu empfehlen, sich die jeweilige Software sowohl im Frontend als auch im Backend zunächst in Grundzügen von Experten demonstrieren zu lassen, um sie im Überblick kennen zu lernen. Im Anschluss sollten Manager und im operativen Geschäft erfahrene Mitarbeiter die Software ausprobieren und verproben, an welchen Punkten sie Berührungspunkte mit dem ihnen bestens vertrauten traditionellen Geschäft hat und welchen konkreten Nutzen die Anwendung der Software stiftet. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen und Fragen kann daraufhin eine Vertiefung mit den Experten stattfinden, um bei der späteren Implementierung durch Mitarbeiter und externe Dienstleister die richtigen Fragen stellen zu können.

Klare Kommunikation der Erfordernisse und Erwartungen entscheidend

Hat man sich für eine Software entschieden, ist die Konzeption in Form eines Lastenhefts zu erstellen. Dabei sollte der gesamte digitale Prozess im Lichte der operativen Erfordernisse bis ins Detail durchdacht werden, um Stockfehler und teure Change Requests zu vermeiden. Hierfür spielt klare Kommunikation der gewünschten Funktionen und Erwartungen sowie ein regelmäßiger Austausch zwischen Digitalexperten und operativen Managern erfahrungsgemäß eine große Rolle: wenn man beispielsweise von Anfang an weiß, dass es für dasselbe Produkt zahlreiche Preisvarianten gibt und dass die individuelle Zuschlüsselung der Preisvarianten zu einzelnen Kunden und ggf. nach Ländern abweichend operativ wichtig ist, hat das Auswirkungen auf die technische Gestaltung der Lösung.

Board Meeting Software für effiziente und vertrauliche Projektsteuerung

All dies erfordert laufende Abstimmung und Feinjustierung im Projektteam, wozu sich digitale Board Portale ideal einsetzen lassen: Was eigentlich als Software für die Gremienverwaltung bzw. Gremienarbeit im Aufsichtsrat und Vorstand dient und – im Sinne von Corporate Governance und Corporate Compliance – virtuelles Sitzungsmanagement durch Verteilung digitaler Sitzungsunterlagen ermöglicht, ist für Digitalprojekte ebenso einsetzbar. Anstatt Unterlagen auszudrucken oder E-Mails zu versenden, werden relevante Dokumente über das Board Portal geteilt. Zudem können alle Projektmitarbeiter über einen integrierten Messenger zeitgleich informiert werden und in Echtzeit untereinander kommunizieren, ohne E-Mails schreiben zu müssen. Durch Digitale Management-Tools wie dieses wird das papierlose Büro auch im Projekt zur Realität. Zudem steigt die Vertraulichkeit und Effizienz bei gleichzeitiger Vermeidung von Missverständnissen. Und ganz nebenbei demonstriert der moderne Manager damit seine Digitalkompetenz auch intern – in diesen Zeiten ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt.

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