Governance

Sitzt in Ihren Reihen ein technischer Experte? – Ein neuer Test zur Diversität von Führungsgremien

Ein Führungsgremium mit breit gefächertem Sachverstand ist für viele Unternehmen und ihre Aktionäre ein heißes Thema. Geschlechtliche, ethnische und Altersdiversität gelten zunehmend als wichtige Meilensteine, die Führungsgremien erfüllen müssen.

Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der eher selten angesprochen wird: technologische Diversität. Sitzen in Ihrem Führungsgremium Mitglieder, die man als technische Experten oder als Vordenker für technische Themen bezeichnen könnte? Jemand, dem die Bedeutung der IT in modernen Unternehmen bewusst ist? Der versteht, wie Technologie Innovation vorantreibt? Und sind das nicht genau die Bereiche, die für die Zukunft Ihres Unternehmens höchst relevant sind?

Wenn in Ihrem Führungsgremium allerdings noch kein technischer Experte sitzt, müssen Sie nicht gleich verzweifeln. Selbst das Beratungsgremium für den Präsidenten bei der US-amerikanischen nationalen Sicherheitsbehörde NSA (National Security Agency) – immerhin weltweit einer der größten Anwender moderner Technologien – verfügt erst seit Februar 2016 über einen Experten für Technologie.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es nur wenige Unternehmen außerhalb der Computerbranche, die es für notwendig erachteten, einen technischen Experten in den Reihen ihres Führungsgremiums zu haben. Sind dafür nicht die IT-Abteilungen zuständig?

Argumente für technische Diversität

Die meisten Unternehmen benötigen einen digitalen Denker in ihren Führungsgremien, denn wir befinden uns in der Phase des digitalen Wandels – das ist eine Tatsache. Unternehmen vertreiben ihre Produkte online. Auch Werbung und Marketing haben sich ins Internet verlagert. Im Jahr 2015 gaben Unternehmen schätzungsweise bis zu 23 Milliarden USD für Werbung in den sozialen Medien aus – mit weiter steigender Tendenz. Innerbetrieblich arbeitet ein Unternehmen mit Unternehmenssoftware. Mitarbeiter kommunizieren elektronisch. Außendienstmitarbeiter greifen via Tablet oder bestens ausgestattetem Smartphone auf ihre Daten in der Hauptniederlassung zu. Und jedes Unternehmen nutzt die Möglichkeiten von Software, um seine geschäftlichen Abläufe zu automatisieren und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Es ist schwer vorstellbar, dass ein Führungsgremium im Namen der Aktionäre die Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens wirksam kontrollieren kann, wenn es nicht über ein relativ differenziertes Wissen und Verständnis dazu verfügt, wie Technologien in diesem Unternehmen eingesetzt werden bzw. eingesetzt werden sollten. Beispiel: Der Siegeszug von Cloud-Computing.

Cloud-Computing ist nicht nur einfach eine Kombination von Technologien, die auf kosteneffizienten Remote-Servern gehostet werden. Für eine optimale Anwendung von Cloud-Computing muss ein Unternehmen seine Geschäftsprozesse, die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter und seine Markteinführungskonzepte überdenken. Das erfordert eine ganze Reihe von unternehmerischen Entscheidungen zu Strategie und organisatorischer Ausgestaltung mit direkter Auswirkung auf den geschäftlichen Erfolg. Solche Weichenstellungen kann nicht allein der CIO leisten; sie benötigen Konsens und Unterstützung auf der gesamten Führungsebene.

Die folgenden Argumente sprechen für einen Ausbau der technologischen Kompetenz in Führungsgremien:

  • Cybersecurity ist ein Thema für die Führungsebene. Die IT-Abteilung kann technologische Beratung bieten, aber das Führungsgremium muss das Geschäftsrisiko bewerten und die Prozesse für die Notfallwiederherstellung genehmigen.
  • Die Ausgaben für Software werden voraussichtlich weiter steigen. Tatsächlich wird erwartet, dass Unternehmen im Jahr 2016 5 % mehr ausgeben; die gesamten IT-Ausgaben werden sich um 0,6 % erhöhen. Führungsgremien müssen daher Strategien entwickeln, wie diese Kostenverteilung erfolgen soll.
  • Technologische Kompetenz im Führungsgremium fördert Ihre Marke. Ein kompetentes Mitglied im Führungsgremium mit profunder Erfahrung auf diesem Gebiet kann exzellente Programmierer, Entwickler und Designer anwerben – das Fundament für künftiges Wachstum.

Die schwierige Suche

Das Problem ist, dass solch eine Position in einem Führungsgremium schwer zu besetzen ist: Es gibt schlicht nur sehr wenige geeignete Kandidaten. Idealerweise wünschen sich Unternehmen jemanden mit technischer Expertise und digitalem Wissen (aber nicht notwendigerweise einen IT-Ingenieur), der zudem über einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund verfügt. Für die Rekrutierung gibt es zahlreiche Möglichkeiten: die klassische Beratungspraxis, der CIO eines anderen Unternehmens oder Gründer von erfolgreichen Technologieunternehmen. Weniger ergiebig sind die Ressourcen in Wissenschaft und Forschung, da die potenziellen Kandidaten aus diesem Bereich möglicherweise nicht über die notwendige Erfahrung in der Wirtschaft verfügen.

Kommt ein modernes Führungsgremium auch ohne einen Technikspezialisten aus? Natürlich – insbesondere dann, wenn Technologie für das Unternehmen kein entscheidender strategischer Wettbewerbsfaktor ist. Zudem verfügen einzelne Mitglieder des Führungsgremiums häufig über eigene Kontakte in technische Fachbereiche, an die sie sich bei Bedarf wenden können.

Ein Führungsgremium kann also auch ohne einen technischen Spezialisten technikaffin sein, solange die Mitglieder des Führungsgremiums Bedeutung und Vorteile der Digitalisierung erkennen und verstehen. Eine weitere Option ist die Einrichtung eines Technologiebeirats. Dieser bietet den zusätzlichen Vorteil, sich die Expertise von Fachleuten aus verschiedenen Funktionen und Fachbereichen zunutze zu machen, die gemeinsam wiederum Orientierung aus einer ganzheitlichen Perspektive bieten.

Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung von Unternehmen entscheiden sich allerdings immer mehr Führungsgremien dafür, ihre Reihen mit Technologie-Visionären zu füllen. Es lohnt sich, über diese Möglichkeit ernsthaft nachzudenken.

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