Governance

Krisenmanagement – Machen Sie Gebrauch von Technologien, die Ihnen in einer Krisensituation wirklich helfen

Krise – ein Begriff, der im Jahr 2019 für deutsche Unternehmen vermehrt bedeutsam werden dürfte: weil das Wirtschaftswachstum abschwächt und die Zinsen voraussichtlich steigen, rechnet der Kreditversicherer Euler Hermes mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen. Damit werden auch digitale Instrumente zur Krisenbewältigung stärker in den Blickpunkt rücken.

Seit mittlerweile neun Jahren hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stark rückläufig entwickelt und befindet sich zum Ende 2018 mit etwa 19.900 auf dem niedrigsten Stand in diesem Jahrhundert. Zum Vergleich: im Jahr 2009 war im Gefolge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise noch für 33.762 deutsche Firmen ein Insolvenzantrag gestellt worden. Die wesentlichen Gründe liegen in dem robusten Wirtschaftswachstum und den historisch niedrigen Zinsen. Beides könnte sich in den kommenden 12 Monaten verändern.

Abschwächung des Wirtschaftswachstums prognostiziert

Denn Experten rechnen damit, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) abschwächen wird. So geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung von 1,6 Prozent BIP-Wachstum aus, während das Kieler Institut für Weltwirtschaft mit 1,8 Prozent rechnet. In den Jahren 2016 und 2017 war das BIP jeweils um 2,2 Prozent gewachsen; in diesem Jahr ist es bereits auf 1,8 Prozent gesunken.

Zwar sehen die Wirtschaftsforscher noch keine Rezessionsgefahr, aber die Zeiten der Hochkonjunktur seien vorbei. Es werde zu einer „Normalisierung des Wachstums“ kommen. Politische Unwägbarkeiten, die beispielsweise aus dem Brexit und Handelskonflikten resultieren, dürften zu einer Investitionszurückhaltung führen. Für Unternehmen mit geringen Margen, niedrigem Eigenkapital oder knapper Liquidität können diese neuen Rahmenbedingungen jedoch – insbesondere, wenn branchenbedingte Sonderfaktoren wie etwa die im Sommer 2018 erlebten Produktionsausfälle im Automobilsektor wegen Problemen bei der Zertifizierung nach den neuen Abgas- und Verbrauchsnormen der EU hinzukommen – schnell existenzbedrohend werden.

 

Anstieg der Zinsen erwartet

Des Weiteren hat die US-Notenbank Fed angekündigt, die Zinsen zu erhöhen und die Europäische Zentralbank das Ende der Anleihenkäufe beschlossen und denkt ebenfalls über Anhebung des Leitzinses in der zweiten Hälfte 2019 nach. Weil sich in den vergangenen Jahren viele Unternehmen branchenübergreifend angesichts niedriger Zinsen durch neue Kredite oder Anleihen verschuldet haben, ergibt sich daraus ein erhebliches Risiko. So sind amerikanische Unternehmen derzeit mit 9,1 Billionen US-Dollar verschuldet – zum Vergleich: im Jahr 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, lag das Niveau noch bei 4,9 Billionen US-Dollar. Steigende Zinsen sorgen für Druck auf der Liquiditätsseite und können mitunter zur Zahlungsunfähigkeit führen.

 

Geschäftsmodelle unter Druck

Neben schwächerem Wirtschaftswachstum und steigenden Zinsen stehen Geschäftsmodelle branchenübergreifend nicht erst seit diesem Jahr unter Druck. Die Digitalisierung hat zu veränderten Kundenbedürfnissen, mehr Transparenz und verschärftem Wettbewerb geführt. Viele Unternehmen stehen vor der Situation, durch Nichtstun oder unzureichende Transformation entweder den Anschluss zu verpassen – oder aber erheblich in neue Technologien zu investieren und damit zugleich das Risiko eines Fehlschlags einzugehen.

 

Kommunikation als Erfolgsfaktor

In dieser für Entscheidungsträger von Unternehmen komplexen Gemengelage ist – so simpel und profan es klingen mag – interne Kommunikation im Management ein Erfolgsfaktor, um Krisen zu erkennen und zu bewältigen. Geschäftsführer und Vorstände sollten dazu auf die Möglichkeiten digitaler Boardrooms setzen, um sich

  • über Krisensymptome informiert zu halten,
  • hinsichtlich erforderlicher Maßnahmen zur Restrukturierung abzustimmen und
  • über den aktuellen Stand der Restrukturierung auf dem Laufenden zu halten.

In einer aktuellen Forrster Studie mit über 411 Teilnehmern in 11 Ländern  stellte sich jedoch heraus, dass Technologie in einer Krisensituation in dem meisten Fällen ein Hindernis für Führungsgremien darstellt.

Mit digitalen Boardrooms wie beispielsweise von Diligent können u.a. Risikoberichte und Kennzahlen mit Hinweisen zu Planabweichungen in Echtzeit im Management-Team verteilt werden, ohne E-Mails versenden zu müssen. Abgeleitet aus dem Risikomanagement-System des Unternehmens können Krisensignale somit frühzeitig aufgefasst und dies auch gerichtsfest dokumentiert werden – was für die Geschäftsleitung im Fall einer späteren Insolvenz im Hinblick auf etwaige Haftungsfragen von Bedeutung ist.

 

Virtuelle Entscheidung über Maßnahmen zur Restrukturierung

Sind Krisensignale erkannt worden, ist – meist unter hohem Zeitdruck – eine kurzfristige Abstimmung über geeignete Maßnahmen zur Restrukturierung geboten. Gerade in großen und international agierenden Konzernen können Entscheider nicht immer physisch zusammenkommen. Deshalb sind Boardrooms das passende Medium, um  Beschlüsse auf digitale Weise mit digital unterzeichneten Dokumenten herbeizuführen. Das betrifft beispielsweise Beschlüsse über Kapitalerhöhungen in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat oder die Neuordnung von bestehenden Krediten oder Schuldverschreibungen. Alle dazu gehörenden Dokumente (z.B. Kreditverträge, Sanierungsgutachten) lassen sich einer virtuellen Ablage dem jeweiligen Beschluss zuordnen und zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar machen. Damit ist die Bereitstellung entscheidungsrelevanter Informationen in übersichtlicher Form und Handlungsfähigkeit mit zeitnahen und schriftlich dokumentierten Entscheidungen jederzeit sichergestellt.

 

Laufende Informationen über den aktuellen Stand der Restrukturierung

Schließlich kommt der effektiven Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen eine wichtige Rolle zu. Auch dabei ist Kommunikation bedeutsam: wenn Manager verschiedener Sparten zusammenwirken, entstehen erfahrungsgemäß Reibungsverluste durch emotionale Aspekte, Missverständnisse, verspätete oder fehlerhafte Information. Auch dies lässt sich durch digitale Boardrooms eindämmen, indem über die Chat-Funktion (vergleichbar mit What’s App) laufend über den aktuellen Stand der verschiedenen Workstreams des Restrukturierungsprojekts berichtet wird und Sprachregelungen für die interne und externe Kommunikation geteilt werden. Zudem kann in der typischerweise von Ängsten und persönlichen Befindlichkeiten geprägten Krisensituation der Einsatz von digitalen Boardrooms zur Versachlichung beitragen – was von nicht zu unterschätzendem Vorteil für die Restrukturierung des Unternehmens sein kann.

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