Risiko und Compliance

Ethical Leadership – Schlüsselfaktor für ein wirksames Compliance Management

Die Bedeutung von Werten hat seit der Finanzkrise deutlich zugenommen. Wichtig dabei ist, dass die Werte nicht von oben vorgegeben, sondern gemeinsam erarbeitet und im Unternehmensalltag auch gelebt werden. Das Thema ethische Führung spielt daher auch in der Agenda des Vorstandes und Aufsichtsrates eine immer größere Rolle.

 

Was bedeutet Ethical Leadership?

Hinter dem Begriff Ethical Leadership verbirgt sich nichts anderes als die sog. ethische Führung. Übersetzt bedeutet Ethik Sitte bzw. Brauch. Somit beschäftigt sich die Ethik mit dem richtigen Handeln der Menschen. Demnach betrachtet Ethical Leadership ein sittliches, gutes Führungsverhalten der Vorgesetzten in Unternehmen. Ein Chef führt dann ethisch, wenn er sich an die Regeln der Ehrlichkeit als auch der Menschlichkeit hält. Wichtig ist dabei, dass er dies seinen Mitarbeitern vorlebt.

 

Verhaltensfacetten ethischer Führung

Ehtische Führung lässt sich in sieben Verhaltensfacetten einteilen. Zu diesen zählen: Mitarbeiterorientierung, Fairness, Rollenklärung, Integrität, Machtteilung, ethische Anleitung sowie Interesse an Nachhaltigkeit. Diese Facetten stehen im Zusammenhang mit Außenkriterien wie beispielsweise der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter sowie der Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen. Durch ethische Führung kann also beispielsweise der Tatsache entgegnet werden, dass die Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift machen und damit innerlich schon gekündigt haben.

Eine gute Führungskraft orientiert sich an den Mitarbeitern. Sie respektiert ihre Mitarbeiter, unterstützt und umsorgt sie. Dieser Faktor ist der wichtigste für die ethische Führung. Wenn die Mitarbeiter sich von ihrer Führungskraft umsorgt fühlen, sind sie mit ihrer Arbeit in der Regel eher zufrieden und fühlen sich an das Unternehmen gebunden. Sofern diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, ist die Motivation der Mitarbeiter geringer und sie kündigen ihren Job eher als wenn sich die Führungskraft an ihren Mitarbeitern orientiert.

Bei der zweiten Verhaltensfacette spielt die Gleichbehandlung, Fairness und Prinzipientreue eine wichtige Rolle. Für den Mitarbeiter ist es wichtig, dass er sich fair behandelt fühlt. Dazu zählt beispielsweise, dass er nur für die Dinge verantwortlich gemacht wird, die er falsch gemacht hat und nicht für die Fehler anderer Mitarbeiter oder sogar der Führungskraft. Für die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter ist die Fairness von hoher Bedeutung. Sofern sie das Gefühl haben, nicht fair behandelt zu werden, wirkt sich dies negativ auf ihre Motivation aus.

Zu einer hohen Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter trägt auch eine klare und transparente Rollenklärung bei. Dazu ist erforderlich, dass die Verantwortlichkeiten, Erwartungen sowie die zu erreichenden Leistungsziele den Mitarbeitern von ihrem Vorgesetzten klar kommuniziert werden. Bei Unklarheiten über die Verantwortungen einzelner Mitarbeiter kann dies zu Konflikten zwischen den Mitarbeitern kommen. Diese können durch eine klare und transparente Kommunikation der Aufgabenfelder und Zuständigkeiten einzelner Themen im Arbeitsalltag des Unternehmens vermieden werden. Konflikte wirken sich nicht nur negativ auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter aus, sondern können möglicherweise auch nach außen sichtbar werden und sich dadurch negativ auf das Image des Unternehmens auswirken. Bei der Festlegung von Zielen obliegt es der Führungskraft, dass diese für den Mitarbeiter realistisch erscheinen und damit den sog. SMART-Kriterien folgen. Sofern der Mitarbeiter den Eindruck hat, dass die Erreichung der Ziele unrealistisch ist, wirkt sich dies sowohl negativ auf seine Arbeitszufriedenheit als auch auf die Motivation des Mitarbeiters aus.

 

Die bisher beschriebenen Kriterien sind für die Arbeitszufriedenheiten am wichtigsten. Dennoch gibt es weitere Facetten, die bei der ethischen Führung beachtet werden müssen. Dazu zählt beispielsweise die Integrität der Führungskraft. So ist es wichtig, dass der Vorgesetzte seine Versprechen einhält und damit glaubwürdig ist. Außerdem ist es für die Integrität wichtig, dass der Chef seine Mitarbeiter motiviert.

Die Machtteilung ist ein weiteres Kriterium der ethischen Führung. Hier ist entscheidend, dass die Mitarbeiter mitbestimmen können. Auch die Berücksichtigung der Ideen sowie Ängste der Mitarbeiter sollte beachtet werden. Nur wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, ihre Ideen werden wahrgenommen und ggf. auch umgesetzt, fühlt er sich ernst genommen. Gerade bei Fusionen und Zukäufen von Tochtergesellschaften ist es wichtig, die Ängste der Mitarbeiter beispielsweise, um ihren Arbeitsplatz oder aber die Veränderungen im Arbeitsalltag ernst zu nehmen. Eine klare und transparente Kommunikation kann hilfreich sein. In diesem Bereich kann nicht zu viel kommuniziert werden. In der Regel ist es eher zu wenig Kommunikation, sodass die Mitarbeiter sich von ihrer Führungskraft allein gelassen fühlen. Durch ein Lob des Vorgesetzten fühlen sich die Mitarbeiter ernst genommen und stärker an das Unternehmen gebunden. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass in der Regel eher zu wenig als zu viel gelobt wird.

Eine ethische Anleitung kann den Mitarbeitern helfen, sich an das Unternehmen gebunden zu fühlen. Dazu zählt die klare Kommunikation der ethischen Regeln. Damit diese von den Mitarbeitern ernst genommen werden, sollte die Einhaltung belohnt und die Missachtung bestraft werden. Andernfalls verlieren die Regeln ihren Stellenwert im Alltag des Unternehmens.

Die letzte Verhaltensfacette ist das Interesse des Vorgesetzten an Nachhaltigkeit. Zur Nachhaltigkeit zählen Belange rund um die Umwelt, Recycling aber auch die Folgen des eigenen Handelns. Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit sehr im Trend und hat auch in der Nachhaltigkeitsberichterstattung Einklang in die Berichtspflichten großer Unternehmen gefunden. Dadurch ist die Bedeutung gestiegen und wird sicherlich in den nächsten Jahren weiter steigen.

 

Einsatz von Ethical Leadership im Unternehmen als Teil der Compliance

Das Compliance Management beinhaltet nicht nur Ethical Leadership, sondern alle Maßnahmen, die der Einhaltung von Regeln jeglicher Art dienen. Somit ist ethische Führung ein Teilbereich eines Compliance Management Systems eines Unternehmens. Zu diesen Normen zählt beispielsweise auch der Deutsche Corporate Governance Kodex.

Damit in Unternehmen die entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine ethische Führung nicht nur nach außen kommuniziert, sondern auch von den Führungskräften gelebt werden, bedarf es eines funktionierenden Compliance Management Systems.

Insbesondere Führungskräfte, die durch eine Beförderung plötzlich zur Führungskraft werden, haben hier oftmals den Wunsch nach entsprechender Unterstützung in Form einer Weiterbildung bzw. eines Coachings. So lernen sie die Vorgehensweise und Strategien kennen, damit die vom Unternehmen gewünschte ethische Führung umgesetzt werden kann. Außerdem spielt dies für die Implementierung einer Compliance-Kultur im Unternehmen eine nicht unbedeutende Rolle.

Bei der Fokussierung der Unternehmen auf das Thema Ethical Leadership sollten im Sinne einer guten Compliance sowie einer guten Corporate Governance Strukturen und Austauschmöglichkeiten diesbezüglich geschaffen werden, sofern diese noch nicht bestehen. Durch den Austausch der Führungskräfte über einzelne Themenfelder des Ethical Leadership kann so eine gemeinsame Verständnisgrundlage für die Werte des Unternehmens verstärkt werden. Dies trägt außerdem zu einer höheren Zufriedenheit der Führungskräfte bei, was sich indirekt auch positiv auf die Mitarbeiter auswirkt.

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