Governance

Empfehlungen für Neueinsteiger als Aufsichtsratsmitglied

aufsichtsratsmitglied

Jeder Neueinsteiger als Aufsichtsratsmitglied hat bereits eine große Hürde genommen, da er in der Hauptversammlung für das Mandat gewählt wurde. Bei der Übernahme eines ersten Mandates sollten sich Neueinsteiger allerdings mit einigen Themen befassen, um ihre Arbeit entsprechend den Erwartungen der Aktionäre ausführen zu können.

Insbesondere bei größeren Unternehmen gibt es in der Regel einen sog. Onboarding-Prozess, der den Einstieg in die neue Aufgabe erleichtert. Dennoch sollten Neueinsteiger unabhängig vom Unternehmen selbst aktiv werden, um beispielsweise auch Austausch mit Aufsichtsräten in anderen Unternehmen zu haben.

Wie Aufsichtsräte sich austauschen können

Anders als auf einen Vorstandsposten, kann man sich als Aufsichtsratsmitglied nicht bei einem Unternehmen bewerben. In der Regel suchen die Unternehmen über bestehende Netzwerke und Kontakte nach neuen Aufsichtsratsmitgliedern. Häufig empfehlen auch bisherige Mitglieder des Aufsichtsrates jemanden aus ihrem Netzwerk, der sich als Nachfolger für die gesuchten Kompetenzen eignet. Der Grund dieser Vorgehensweise liegt daran, dass neben den Kompetenzen vor allem auch die Chemie zwischen den einzelnen Aufsichtsratsmitgliedern stimmen muss. Wenn der Aufsichtsrat nicht als Team agiert, kann er seine Kontrollfunktion nicht so ausüben wie dies erforderlich ist.

Auch wenn man sein Mandat über das bisherige Netzwerk erhalten hat, so sollten Neueinsteiger sich ggf. auch speziellen Netzwerken für Aufsichtsräte anschließen. In diesen Netzwerken werden nicht nur Erfahrungen mit anderen Aufsichtsräten ausgetauscht. Vielmehr werden bei den Veranstaltungen auch weitere Kontakte geknüpft, die für die Arbeit als Aufsichtsrat sehr hilfreich sein können. Ferner wird bei den Veranstaltungen bzw. Tagungen über aktuelle Themen diskutiert, die für Aufsichtsräte wichtig sind. Dazu zählen beispielsweise anstehende Reformen des Deutschen Corporate Governance Kodex, Herausforderungen für Unternehmen in Bezug auf disruptive Geschäftsmodelle sowie den Klimawandel.

Als Netzwerke können beispielsweise die folgenden genannt werden:

  • ArMiD (Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland)
  • VARD (Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland)
  • Adar (Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat)

Für die Finanzexperten im Aufsichtsrat gibt es sogar noch ein eigenes Netzwerk, die Financial Experts Association (FEA). Alle diese Netzwerke veranstalten regelmäßige Treffen, die das Kennenlernen der Mitglieder erfordern. Denn trotz der digitalen Möglichkeiten des Austausches – die in den Netzwerken auch bestehen – sollten auch persönliche Kontakte nicht unterschätzt werden.

Für Neueinsteiger als Aufsichtsrat kann insbesondere das Mentoringprogramm von ArMiD empfohlen werden. Hier können neue Aufsichtsratsmitglieder einen Mentor finden, der ihnen bei Fragen rund um die Arbeit als Aufsichtsrat aus den eigenen Erfahrungen berichtet. Durch ein besonderes Vertrauensverhältnis können so auch unangenehmere Themen mit einem erfahrenen Aufsichtsrat besprochen werden.

Warum sich Aufsichtsräte weiterbilden sollten

Die Vielzahl an Gesetzen und Vorschriften für Unternehmen haben sich in den letzten zwanzig Jahren deutlich erhöht. Auch stehen Unternehmen gerade in Zeiten der Digitalisierung vor immer größeren Herausforderungen, auf die sie immer schneller reagieren müssen. Auch der Klimawandel kann das Geschäftsmodell zahlreicher Unternehmen beeinflussen.

Auch wenn es für einzelne Themenfelder wie beispielsweise die Digitalisierung, Gesetze und Bilanzierung im Gremium einen oder mehrere Experten gibt, sollte jedes Mitglied sich entsprechende Grundkenntnisse in diversen Bereichen aneignen. So ist es für jedes Mitglied hilfreich, sich ein gewisses Grundgerüst an rechtlichen Themen oder Grundlagen des Bilanzenlesens anzueignen. Denn auch wenn möglicherweise eines der Mitglieder im Gremium Rechtsanwalt ist, sollte jedes Mitglied über die Haftung seiner Tätigkeit Bescheid wissen.

Gerade neue Aufsichtsratsmitglieder haben hier oftmals noch Bedarf an einzelnen Themen, mit denen sie sich aufgrund ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn noch nicht beschäftigt haben. Daher ist es ratsam, zu Beginn herauszuarbeiten, wo entsprechende Fortbildungen besucht werden sollen. Das Thema Weiterbildung gewinnt zunehmend an Bedeutung – nicht nur für neue Aufsichtsräte.

Wie sich Neueinsteiger in einem bestehenden Gremium einfinden

In der Regel wird ein Mitglied neu in einen bereits bestehenden Aufsichtsrat gewählt. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Team bereits besteht und möglicherweise bereits seit einigen Jahren zusammenarbeitet. Somit sind die Rollen des Teams bereits verteilt.

Anders ist die Vorgehensweise, sofern mehrere Mandate aufgrund einer besonderen Situation im Unternehmen neu besetzt werden. Dies kann beispielsweise im Fall einer Insolvenz gegeben sein, wenn aufgrund von diversen Schwierigkeiten des Unternehmens ein Großteil des Gremiums ausgetauscht werden soll.

Die ersten Sitzungen sollten Neueinsteiger vor allem dazu nutzen, die anderen Mitglieder besser kennen zu lernen. Gerade bei einigen Entscheidungen wird dies im Voraus mit anderen Mitgliedern jenseits der Sitzung besprochen. Daher ist es hilfreich zu wissen, welche Charakterzüge die anderen Mitglieder haben. Insbesondere bei einem kleinen Gremium ist dies besonders entscheidend, da einer Stimme ein großes Gewicht zukommt.

Allerdings sollte diese Beobachterrolle nicht zu lange beibehalten werden, denn schließlich ist die Aufgabe des Aufsichtsrates den Vorstand zu kontrollieren. Die genaue Vorgehensweise hängt hier von der Größe des Aufsichtsrates des Unternehmens ab.

Als Neueinsteiger in ein bestehendes Gremium besteht oftmals die Herausforderung, dass man die Historie einzelner Themen der Sitzungsagenda nicht kennt. Neueinsteiger sollten sich hier nicht scheuen, immer nachzufragen, wenn ihnen etwas unklar ist. Im Idealfall wird der Aufsichtsratsvorsitzende dies auch entsprechend selbst mit einigen Erläuterungen ergänzen, um das neue Mitglied mit in die Diskussion zu integrieren.

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