Interview

Diligent Talk: Interview mit Claudia Ackermann, Assistentin des VP Marketing & Communications

Claudia Ackermann ist Jahrgang 1961 und in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Nach ihrem Abitur hat sie an der „Würzburger Dolmetscherschule“ eine Ausbildung zur staatl. gepr. Fremdsprachenkorrespondentin gemacht und sich danach im Bereich Management-Assistenz fachlich spezialisiert. Ihre ersten Berufsjahre verbrachte sie in Paris, danach hat sie in international operierenden Unternehmen in Düsseldorf und Berlin gearbeitet, bis sie mit Mitte vierzig nach Luxemburg gezogen ist, wo sie beruflich und privat eine neue Heimat gefunden hat. Sie arbeitet dort seit 2006 in einem bekannten Technologieunternehmen als Assistentin des VP Marketing & Communications. Darüber hinaus ist sie seit Beginn ihrer Karriere engagiertes Mitglied in dem Berufsnetzwerk IMA (International Management Assistants).

Dieses Mal hatten wir die Gelegenheit, mit einer Kollegin zu sprechen, die Auslandserfahrung hat und die Entwicklung des Berufsstandes durch ihr internationales Verbandsengagement mit beeinflusst hat.

 

Assistenzen sind strategische Business Partner. Stimmen Sie dem zu?

Grundsätzlich ja, und dies ist das Beste, das eine Assistentin erreichen kann. Es funktioniert jedoch nur, wenn der Chef kein Snob ist und die Rolle seiner Assistentin so definiert, dass sie nicht Befehlsempfängerin ist, sondern eine Kollegin/Partnerin mit eigenständigen Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Eine effiziente Assistentin entlastet den Chef, indem sie Entscheidungen vorbereitet und ihn so organisiert, dass er sich auf die Business Agenda konzentrieren kann. Ist das Arbeitsverhältnis von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt, kann die Assistentin eine wertvolle Beraterin sein, wenn sie sich stets weiterbildet, in der Organisation gut vernetzt ist und einen tadellosen Ruf hat. Dies gelingt nur mit einem hohen Maße an Diskretion, Loyalität, Verlässlichkeit und Integrität. Die beste Voraussetzung, um auf diesem Niveau zu arbeiten, sprich partnerschaftlich zum Wohle der Firma, sind gemeinsame ethische Werte. Diese sind meines Erachtens genauso wichtig wie die fachliche Qualifikation auf beiden Seiten.

 

Die neue Chefgeneration der Millennials oder Generation Z kommt immer mehr in die Unternehmen und bringt neuen Schwung in die Arbeitsweise vieler Organisationen. Stimmt Sie dies positiv oder eher negativ mit Blick auf die Zusammenarbeit mit jüngeren Vorgesetzten?

Neuer Schwung und Inspiration durch jüngere Kollegen ist für mich motivierend und interessant. Dass die jüngere Chefgeneration weniger Wert auf Hierarchie legt und eine gewisse Lässigkeit ins Büro bringt, gefällt mir. Allerdings stehe ich auch auf gute Manieren, die meines Erachtens viel mit dem kulturellen und nationalen Hintergrund zu tun haben. Hier habe ich die besten Erfahrungen mit Amerikanern gemacht, die in der Regel äußerst höflich im Umgang sind, im beruflichen Umfeld nichts persönlich nehmen und die Emotionen bei Konflikten außen vor lassen können. Diese Nüchternheit finde ich hilfreich im Business. Wenn die jüngeren Vorgesetzten ältere Mitarbeiter wegen deren Erfahrung zu schätzen wissen nach dem Motto „talent has no age“, kann eine solche Zusammenarbeit für beide Seiten nur bereichernd sein.

 

Was glauben Sie, warum ist das Bild der Assistenz an vielen Stellen noch immer so verfälscht? Was kann die Berufsgruppe dagegen tun?

Das hat mit Vorurteilen zu tun von Leuten, die keine Ahnung haben und meinen, sie seien etwas Besseres, nur weil sie vielleicht auf der Universität studiert und ein Diplom haben. Da kann man nur aufklären, wenn man damit konfrontiert wird. Ich hatte kürzlich bei einer Diskussion auf einer Familienfeier den Fall, wo die Ehefrau eines Bankvorstands konsterniert gefragt hat: „Was? Deine Sekretärin bekommt einen Bonus? Die macht doch nur Termine!“ Es hat mich gefreut, dass ich gar nicht viel sagen musste, da ihr Mann ihr Paroli geboten und geschildert hat, warum diese Mitarbeiterin eine wichtige Leistungsträgerin im Management ist und welche fachlichen und menschlichen Qualifikationen in dieser Funktion erforderlich sind, die auch mit Charakter und Persönlichkeit zu tun haben, die eine Gratifikation rechtfertigen.

Grundsätzlich kann man gegen dieses verfälschte Bild immer wieder nur ein positives Image stellen, zum einen im Job selber, indem man bewusst und selbstsicher seine Aufgaben erledigt; hierbei ist eine hohe Sozialkompetenz der Schlüssel zum Erfolg sowie auch Führungskompetenz, dort, wo sie angebracht ist, wobei man sich immer im Klaren sein sollte, dass man in der zweiten Reihe steht und nicht der Boss ist. Wer dies verwechselt, ist falsch in der Assistenz-Position. Zum anderen sollte man sich in der Gesellschaft nicht kleiner, aber auch kein großes Thema daraus machen, wenn man auf den Beruf zu sprechen kommt. Die verschiedenen Berufsverbände und Netzwerke für diesen Berufsstand tragen wesentlich dazu bei, dass heutzutage, besonders in den international agierenden Firmen, die Assistenz große Anerkennung findet – auch finanziell. Wobei viele Jobtitel in diesem Bereich meines Erachtens eine kolossale Untertreibung sind und der Profession nicht gerecht werden (die besonders im Englischen gängige saloppe Bezeichnung „Admin“ finde ich unangemessen und abwertend). Das „Wording“ spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung des Images: es macht einen Unterschied, ob die Funktionsbezeichnung „Chef-Sekretärin“ oder „Management-Assistentin“ ist, und ein „Office Manager“ impliziert sogar ein noch positiveres Bild.

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