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Corporate Governance in Abhängigkeit der Branche, Unternehmensverfassung und Größe

Es gibt nicht nur länderspezifische Regelungen der Corporate Governance, sondern auch branchenspezifische Bestimmungen. So gibt es für Unternehmen Unterschiede der Corporate Governance in Bezug auf die Verfassung sowie die Größe des Unternehmens. Es spielen beispielsweise der Grad der Internationalisierung, die Unternehmensverfassung sowie die Kapitalmarktorientierung eine wichtige Rolle. Bei der Umsetzung von Gesetzen, Kodizes oder aber auch unternehmenseigenen Vorgaben stehen Unternehmen bei der Umsetzung der Corporate Governance vor großen Herausforderungen.

 

Besonderheiten für Kreditinstitute

Durch die Finanzmarktkrise, die vor zehn Jahren begann, hat sich in der Bankenwelt seither einiges verändert. Unter anderem wurden die Regulierungen für Banken deutlich verschärft, um eine erneute Krise wie im Ausmaß von 2008 und den folgenden Jahren zu verhindern. Als einer der Gründe für den Ausbruch sowie die Ausbreitung der Krise wird eine mangelhafte Corporate Governance gesehen.

Die Aufsicht der Risiken von Banken, die Kreditvergabe sowie der Verkauf von Zertifikaten und ähnlichen riskanten Geldanlagen, wird mittlerweile kritischer überwacht. So wurden nicht nur die Aufzeichnungspflichten für Banken erheblich ausgeweitet. Auch die Empfehlungen von Basel III führen für Banken zu zunehmenden Regelungen, um eine gute Unternehmensführung zu unterstützen. Banken müssen nunmehr für ihre Geschäfte deutlich mehr Eigenkapital hinterlegen als dies bei früheren Regelungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich der Fall war. Aufgabe dieses Institutes ist es, die Banken zu regulieren.

Von Kritikern wird jedoch bemängelt, dass die Vorschriften zur Hinterlegung von Eigenkapital sowie zur Verbesserung der Risikostruktur noch nicht weit genug gehen. Nicht nur die Regelungen für Banken, sondern auch die Vorschriften zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert. Die internationale Rechnungslegung nach IFRS, die für börsennotierte Unternehmen relevant ist, haben ihre Regelungen bei der Bewertung von Finanzinstrumenten deutlich verschärft.

 

Öffentliche Unternehmen

Für öffentliche Unternehmen gibt es einen eigenen Kodex, den sog. Public Corporate Governance Kodex. Die Zielsetzung dieses Kodexes ist die Berücksichtigung der Besonderheiten der öffentlichen Hand. Zudem sollen die Regelungen die wirtschaftlichen Ziele öffentlicher Unternehmen beachten. Inhalt des Public Corporate Governance Kodexes sind wesentliche Bestimmungen zur Leitung und Überwachung von Unternehmen, an denen die Bundesrepublik Deutschland beteiligt ist. Zielsetzung des Kodexes ist, die Führung und Überwachung der Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, transparenter sowie nachvollziehbar zu machen. Ferner soll das Bewusstsein für eine gute Corporate Governance gesteigert werden.

Der Kodex berücksichtigt die rechtlichen Besonderheiten öffentlicher Unternehmen und versucht, dem bei den Regelungen Rechnung zu tragen. Dabei muss immer das Spannungsverhältnis berücksichtigt werden, das zwischen der öffentlichen Zweckverfolgung sowie der betriebswirtschaftlich effizienten Unternehmensführung besteht.

 

International agierende Unternehmen

Für Unternehmen, die international agieren, spielen bei einer guten Corporate Governance unter anderem auch Themen wie die Bekämpfung von Korruption eine wichtige Rolle. Diese Problematik besteht nicht nur in einer einzigen Branche, sondern beschäftigt Unternehmen mehrerer Branchen.

Dies können beispielsweise Industrieunternehmen sein, die bei einer Geschäftstätigkeit einer Auslandstochter im außereuropäischen Ausland möglicherweise Bestechungsgelder bezahlen, um Aufträge an Land zu ziehen. Die Kontrolle derartiger Handlungen stellen Unternehmen bei der Umsetzung der unternehmenseigenen Richtlinien zur Umsetzung einer guten Corporate Governance immer wieder vor größere Herausforderungen.

Derartige Schwierigkeiten können sich beispielsweise auch bei der Vergabe von Aufträgen öffentlicher Unternehmen einer ausländischen Tochtergesellschaft oder der Auslagerung auf einen Handelsvertreter in einem Staat ergeben. In einigen Fällen haben das Personal bzw. der Handelsvertreter vor Ort Bestechungsgelder bezahlt, damit die Ausschreibung so ausgestaltet wird, dass das Produkt des Unternehmens am besten auf diese passt. Die verbotene Handlung wird dadurch teilweise auf Subunternehmer ausgelagert, besteht dennoch weiterhin und kann in vielen Fällen nur schwierig aufgedeckt werden. Diese Problematik besteht vor allem dann für Unternehmen, wenn die veräußerten Produkte einen hohen Verkaufspreis haben. Daher betrifft es beispielsweise Industrieunternehmen oder aber auch Medizintechnikunternehmen, deren Geräte in einem öffentlichen Unternehmen im Ausland veräußert werden.

Auch bezüglich der komplexen internationalen Struktur eines international agierenden Unternehmens können sich Auswirkungen auf die Corporate Governance ergeben. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die international sehr stark verflechtet sind und eine transparente Darstellung der Unternehmensstruktur nicht vorhanden ist. Folglich besteht hier das Risiko, dass die Überwachungsorgane des Unternehmens beispielsweise in Form des Aufsichtsrates die Kontrolle der Führungsorgane nur begrenzt vornehmen können.

 

Unternehmensverfassung

Bei der Ausgestaltung der Corporate Governance spielt die Unternehmensverfassung ebenso eine wichtige Rolle. Bei der Unternehmensverfassung wird bei börsennotierten Gesellschaften zwischen dem monoistischen und dem dualistischen System unterschieden. Sofern das Unternehmen in der Rechtsform der SE (europäische Aktiengesellschaft) firmiert, besteht die Wahlmöglichkeit zwischen den beiden Verfassungen. Beim dualistischen System erfolgt die Trennung in Vorstand als Leitungsorgan und Aufsichtsrat als Kontrollorgan. Diese Differenzierung gibt es beim monoistischen System nicht, dieses hat einen Verwaltungsrat. Der Verwaltungsrat hat geschäftsführende Direktoren und insgesamt mehr Aufgaben als der Aufsichtsrat im dualistischen System.

Aufgrund dieser Unterschiede ist auch die Ausübung der Corporate Governance in den beiden Varianten nicht gleich. Dies liegt vor allem daran, dass der Aufsichtsrat lediglich ein Kontrollorgan ist im Gegensatz zum Verwaltungsrat. Der Verwaltungsrat ist vielmehr auch weisungsbefugt und wirkt an den Geschäften des Unternehmens mit.

 

Unternehmensgröße

Neben der Unternehmensverfassung spielt bei der Umsetzung der Corporate Governance vor allem auch die Unternehmensgröße eine wichtige Rolle. Große börsennotierte Unternehmen stehen dabei vor großen Herausforderungen, diese in der Praxis umzusetzen. So werden beispielsweise die Unternehmensleitlinien in der Regel von der Führungsebene erarbeitet und vorgegeben. Diese müssen dann entsprechend an alle Mitarbeiter kommuniziert und auch gelebt werden. Bei der Kommunikation müssen bei international tätigen Unternehmen unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten berücksichtigt werden, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden.

Nicht nur bei der Umsetzung der Unternehmensleitlinien, sondern auch bei der Implementierung der Compliance-Regelungen, müssen Unternehmen einiges beachten. Die Herausforderung im Bereich der Compliance besteht nicht hauptsächlich in der Festlegung von Regelungen und Gesetzen, sondern vor allem in der praktischen Umsetzung. Außerdem muss ein wirksames und effizientes Kontrollsystem erarbeitet werden, um eventuelle Fehltritte aufdecken zu können. Durch permanente Veränderungen des Unternehmens sollten entsprechend auch die unternehmenseigenen Regelungen und das Kontrollsystem stets überarbeitet und entsprechend an die Mitarbeiter kommuniziert werden.

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