Risiko und Compliance

Beginn einer neuen Leasing-Ära: Auswirkungen auf den Jahresabschluss

leasing-bilanzierung

Die Bilanzierung von Leasingverhältnissen ist ein kontrovers diskutiertes Thema der letzten Jahre. Durch die Ausgestaltung der Leasingverträge konnten Unternehmen den Ausweis in der Bilanz beeinflussen. Dies führte dazu, dass für Investoren die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse nur eingeschränkt möglich war. Denn der vorhandene Spielraum konnte von den Unternehmen zum Aufhübschen der Bilanzen genutzt werden.

Die Neuregelung der Bilanzierung von Leasingverhältnissen ist verpflichtend seit dem 1. Januar 2019 anzuwenden. Sobald die Geschäftsberichte vorliegen, werden die genauen Auswirkungen ersichtlich. Die vorzeitige Anwendung ab 2018 wurde bei den DAX-Konzernen lediglich von der Deutschen Post genutzt. Bereits in den Geschäftsberichten des Jahres 2018 finden sich entsprechende Erläuterungen zu den voraussichtlichen Auswirkungen der Neuregelung der Leasingbilanzierung auf den Jahresabschluss. Dabei zeigt sich, dass die Auswirkungen bei den DAX-Konzernen sehr unterschiedlich sind. In einigen Fällen muss mit einem deutlichen Anstieg der Bilanzsumme gerechnet werden.

Wie funktioniert die neue Leasingbilanzierung beim Leasingnehmer?

Bei Vorliegen eines Leasingverhältnisses muss der Leasingnehmer künftig sowohl ein Nutzungsrecht als auch eine Leasingverbindlichkeit ansetzen. Dadurch wird das Leasing in der Bilanz ersichtlich und die Bilanzsumme steigt, da das Nutzungsrecht auf der Aktivseite und die Leasingverbindlichkeit auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen werden.

Während der Leasingdauer müssen sowohl das Nutzungsrecht als auch die Leasingverbindlichkeit jährlich angepasst werden. Während der Leasingdauer nimmt der Wert der Leasingverbindlichkeit ab, da die Schulden in Form der Leasingraten nach und nach gezahlt werden. Das Nutzungsrecht muss über die Leasingdauer jährlich abgeschrieben werden, wodurch der Wert in der Bilanz mit Annäherung an das Leasingende abnimmt.

Im Anhang des Jahresabschlusses müssen entsprechende Angaben zum Nutzungsrecht sowie den Leasingverbindlichkeiten erfolgen. Die Offenlegung detaillierter Informationen soll den Abschlussadressaten die Möglichkeit geben, die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens beurteilen zu können.

Welche Auswirkungen auf den Jahresabschluss werden bei den DAX-Konzernen erwartet?

Eine Studie analysierte die Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen aus dem Jahr 2018 hinsichtlich ihrer Angaben zu den Änderungen der Neuregelung der Leasingbilanzierung. Die Angaben zu den Auswirkungen der Erstanwendung der neuen Vorschriften sind dabei sehr unterschiedlich. Zumindest für das Jahr 2018 ist somit die gewünschte Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse noch nicht erfüllt.

Immerhin zwei Drittel der DAX-Unternehmen machen konkrete Angaben zu den geschätzten Auswirkungen der Erstanwendung der neuen Leasingbilanzierung auf den Gewinn sowie die Bilanzsumme ab dem Geschäftsjahr 2019. Vier der untersuchten Unternehmen geben zwar keine monetären Größen an: Allerdings legen sie offen, ob mit wesentlichen oder nicht wesentlichen Auswirkungen der Erstanwendung der neuen Leasingbilanzierung gerechnet wird. Die verbleibenden fünf Unternehmen machen jedoch weder konkrete monetäre Angaben noch Angaben zu den geschätzten Auswirkungen der Erstanwendung.

Nur in wenigen Fällen geben die Unternehmen die monetären Auswirkungen auf den Gewinn sowie die Bilanzsumme an. Daher ist eine Vergleichbarkeit der voraussichtlichen Auswirkungen kaum möglich, da bei einer zu kleinen Stichprobe die Untersuchungsergebnisse nicht aussagekräftig sind.

Es zeigt sich jedoch der vermutete Trend: Durch das Aufzeigen der Nutzungsrechte sowie der bestehenden Leasingverbindlichkeiten in der Bilanz muss mit einem teilweise deutlichen Anstieg der Bilanzsumme gerechnet werden. Auch die Auswirkungen auf den Gewinn, mit denen im Geschäftsjahr 2019 gerechnet werden muss, sind in den meisten Fällen positiv. Allerdings ist hier folgendes zu brücksichtigen: Während die meisten Unternehmen konkrete Angaben zu den geschätzten Auswirkungen auf die Bilanzsumme machen, ist die Angabe zu den Auswirkungen auf den Gewinn eher lückenhaft.

Besonders wichtiger Prüfungsinhalt bei der Deutschen Post

Die Deutsche Post hat als einziges DAX-Unternehmen die neue Leasingbilanzierung bereits vorzeitig ab dem Geschäftsjahr 2018 angewendet. Dabei machen die Leasingverbindlichkeiten 20 % der Bilanzsumme des Unternehmens aus. Daher ist die Einordnung der neuen Leasingbilanzierung als besonders wichtiger Prüfungsinhalt durch den Abschlussprüfer des Unternehmens wenig überraschend. Als besonders wichtige Prüfungsinhalte werden die Themen vom Wirtschaftsprüfer herausgegriffen, die bei der Abschlussprüfung von besonderer Bedeutung waren. Diese sind dann entsprechend im Bestätigungsvermerk näher zu erläutern.

Bei den Erläuterungen weist der Wirtschaftsprüfer der Deutschen Post auf die Bedeutung der Leasingbilanzierung für das Unternehmen hin. Zudem wird die Vorgehensweise des Unternehmens durch die Neuregelung näher beschrieben. Dadurch lässt sich die Transparenz für Investoren erhöhen.

Best Practice: Übersichtliche Darstellung im Geschäftsbericht

Die meisten der DAX-Konzerne machen die Angaben zu den Auswirkungen der neuen Leasingbilanzierung lediglich als Fließtext. Aufgrund der bisher noch nicht verpflichtenden Anwendung gibt es wenige Beispiele für eine übersichtliche Erläuterung bezüglich der Auswirkungen der Erstanwendung.

Zur Veranschaulichung der Auswirkungen bietet sich eine tabellarische Darstellung an, die durch entsprechende Erläuterungen ergänzt werden kann. Merck stellt beispielsweise die Auswirkungen der Neuregelung der Leasingbilanzierung tabellarisch dar: Die Aufgliederung erfolgt dabei in die Auswirkungen auf die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Kapitalflussrechnung des Konzerns.

Die Deutsche Post macht sehr detaillierte Angaben zu den Auswirkungen der Erstanwendung der neuen Leasingbilanzierung. Neben den Erläuterungen zu den Auswirkungen im Einzelnen, wird zudem die Überleitung auf den Eröffnungsbilanzwert der Leasingverbindlichkeiten zum 1. Januar 2018 auf die einzelnen Posten tabellarisch aufgezeigt. Ferner werden die Auswirkungen auf einzelne Erträge bzw. Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung detailliert aufgelistet.

Abschließend lässt sich folgendes festhalten: Es bleibt abzuwarten, welche tatsächlichen Auswirkungen der neuen Leasingbilanzierung sich tatsächlich in den Geschäftsberichten des Jahres 2019 ergeben werden.

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